Unibummel
Guten Morgen
Nach einer kurzen Nacht klopft es morgens um 8 an meiner Tür. Amelie steht ganz aufgelöst davor. Sie kann fast nicht mehr schlucken, so arg schmerzt ihr Hals. Auch sonst fühlt sie sich nicht gut. Sie bittet mich, sie zum Arzt zu begleiten.
Trotz extremer Müdigkeit und daraus resultierender "Unlust" richte ich mich natürlich her und wir sind 10 Minuten später unterwegs zum Doktor im Murano Street Village. Es ist nur 5 Minuten bis dort. Eigentlich nicht weit, aber bei der Kälte die hier seit Mittwoch herrscht doch ein schönes Stück. Überall ist Raureif, die Straßen sind glatt und der Atem kondensiert. Winteranfang.
In Murano dann erst mal ne halbe Stunde warten, bis der Arzt öffnet und dann noch mal 45 Minuten bis Amelie einen Termin hat. Dabei schlaf ich im Wartezimmer fast ein und friere (wegen Müdigkeit und ständig offen stehenden Türen) wie ein Schneider. Amelie ist tapfer und lässt sich nichts anmerken. Der Arzt lässt sich dann Zeit für sie und geht auf sie ein. Er verschreibt ihr vorsorglich ein Antibiotika, falls es am Wochenende schlimmer wird.
Zu Hause kuscheln wir uns dann noch für 30 Minuten ins Bett und dösen etwas, bevor ich entgültig raus und in die Uni muss.
Bernd begleitet mich
In der Uni hab ich heute eine Vorlesung, Further Modelling bei Stephen Senn. Bernd kann mich da natürlich gut begleiten und schon mal etwas Auslandsluft schnuppern. Die Vorlesung ist recht klein, nur (maximal) 15 Leute.
Vor der Stunde fragt er mich: "Soll ich ihn fragen, ob ich bleiben darf?"
Ich: "Nene, passt schon."
Bernd (steht auf und geht vor): "Hello, I’m a friend of Benny and studying statistics in Munich, too… . Can I stay?"
Stephen (steht nur ganz perplex da): "But shure..."
He, wieso fragst du mich denn, wenn du eh nicht auf mich hörst? Oller Spinner ;)
Unibesichtigung
Nach der gemeinsamen Vorlesung (fast wie in "alten Zeiten" in München) besichtigen wir noch die Uni. Am Hauptgebäude entdecke ich dabei die "Lion and Unicorn" Treppe, die von der alten Glasgow-Uni beim Neubau der jetzigen Uni mit umgezogen wurde.
Um die Ecke kommt dann ein wunderschöner Blick, auf die Kelvingroove Art Gallery, die leider gerade renoviert wird, und auf den Turm der Uni. Das Szenario ist dabei in gleißende Sonne getaucht. Seit Bernd da ist, also seit 3 Tagen ist ein Tag schöner als der andere. Sonne und klarer Himmel. Wunderschön und wunderkalt. Vor allem morgens, nachts und im Schatten.

Lion and Unicorn
Nach einer kurzen Pause in der Sonne vor der Bibliothek kam uns die Idee, einfach mal zu fragen, ob auch Besucher in die Bib dürfen. Man hat vom 11 Stock einfach einen gigantischen Ausblick über Glasgow. Also rein und bei den Sicherheitsleuten gefragt - ’aber klar doch’. Man muss sich dazu nur einen Besucherausweis ausstellen lassen. Jetzt hat Bernd also einen Ausweis, um die Bib am 18/11/ zu betreten und wir hatten unseren Ausblick über Glasgow.
Die Hunterian Gallery war unsere nächste Station. Wir wollten uns die Lord Kelvin Ausstellung anschauen, die über den berühmten Wissenschaftler geht. Leider hat die Hunterian Gallerie aber nur halb geöffnet. Die Kelvinausstellung im Moment leider gar nicht. Na dann halt nicht!
Heimweg
Da wir eh nicht zu spät nach Hause wollten haben wir dann beschlossen (mit einem kleinen Einkaufsabstecher) nach Hause zu gehen. Das war um 2. Um halb 5 waren wir dann entlich in Firhill Court. Die Suche nach Amelies Salbeitee gestaltete sich äußerst schwierig und dann sind wir auch noch in ein Kaffee gegangen. Bernd wollte dort als Nicht-Kaffeetrinker eine heiße Schokolade bestellen. Missverständlicher Weise hat er dann eine Latte bestellt. An sich ja Milch, doch im allgemeinen Kaffeehausjargon als Cafe Latte zu deuten. Den hat er dann auch bekommen. Da hat er sich aber gefreut. ;)

Blue Velvet
Nach dem Abendessen gings wieder ohne Amelie auf die Piste. Diesmal mit Julie und Lindsay in ein Uni-Kino. Gezeigt wurde Blue Velvet. Ein alter David Lynch Film. Ziemlich gut aber absolut skurril und abgefahren. Atmosphärisch äußerst dicht und sehr spannend. Verstärkt werden die Effekte noch durch das Alter des Films. Die Schauspieler schaun so "ulkig" aus. Diese Verfremdung verdichtet die Atmosphäre noch.
Zum Abschluss sind wir noch auf ein Bier in eine Kneipe in der Ashton Lane . Ins Brel. Eine belgische Kneipe oder zumindest eine die einen belgischen Namen hat und belgisches Bier verkauft. Viel toller ist aber noch, dass sie auch Erdinger Weißbier verkaufen. Komisch ist nur, dass es nicht aus der Flasche kommt sondern gezapft wird. Und man bekommt keine Halbe sondern ein Pint (mehr als 0,5l) in einem Weißbierglas. Schon lustig, ein original bayrisch beschriftetes Glas, ein bisserl größer und mit Pinteichstrich inkl. Krone. Über den Preis sollte man wohl eher schweigen. Es hat saftige £4 gekostet aber ich musste es mir einfach mal wieder gönnen. Was man für ne halbe Stunde Heimatgefühl doch alles zahlt...
Unmut am Ende
Eine kurze Hoffnungs- und Unmutsbekundung am Rande: Das Internet wurde heute natürlich nicht gerichtet. Wie denn auch. Es ist ja Freitag. Da kann man sowas ja nicht verlangen. Angeblich wird es jetzt am Montag repariert. Wir sind (beziehungsweise da ich die Sachen ja nicht hochladen kann: waren) also das ganze Wochenende ohne Internet. Alle in Firhill Court. Wie toll! Scheiß blöder Saftladen!!!! Ich hoffe nur, dass es Montag Abend wirklich geht.
0 Comments:
Kommentar veröffentlichen
<< Home